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©2019 Ilka Weingärtner


Auf der Baja California, in Mexiko, vor ca. vier Jahren haben wir zum ersten Mal von anderen Globetrottern gehört das es die Möglichkeit gibt, von Ushuaia, mit einem Expeditionsschiff in die Antarktis zu reisen. Mit einem last minute Angebot zwischen vier und fünftausend Dollar, pro Person, für ca. zwei Wochen kann man dabei sein. Wow, dachten wir das hört sich nicht gerade nach einem Schnäppchen an :-( .

Jetzt, einige Jahre später, schlauer durch die Erfahrungen anderer die eine solche Reise gemacht haben und der langsamen Gewöhnung an die Preise, stehen wir im Reisebüro von „Freestyle Adventure Travel“ in Ushuaia und müssen uns entscheiden zwischen mehreren Angeboten. Oder, „können uns hier entscheiden“, wie uns Gabriel zu verstehen gibt weil es Wochen gibt in denen er noch nicht einmal EIN Angebot anbieten kann!

Jetzt, wo es ernst wird ist uns doch ein wenig mulmig zumute, vor allem weil es ein Angebot gibt welches überhaupt nicht unseren bisherigen Vorstellungen entspricht und uns jetzt doch sehr interessiert.

Ursprünglich wollten wir auf ein altes Forschungsschiff mit maximal 100 Passagieren und auf gar keinen Fall auf eins mit zu vielen chinesischen Passagieren. Das Angebot welches uns nun ins Auge sticht ist das genaue Gegenteil, ein von Chinesen gechartertes Luxusschiff mit 200 Passagieren :-) !?

„Wenn wir die Antarktis nicht von hier aus bereisen werden wir es nie tun“ geht uns durch den Kopf und speziell das Angebot, halbierter Originalpreis, hört sich nun wirklich nicht so übel an. Zumal wir uns mit der gesparten Hälfte noch einiges anders leisten können ;-) ;-) ;-) .

 Zwei Tage später buchen wir, nach einigem hin und her, 11 Tage Antarktis „classic“, vom 04.02. bis zum 14.02.2019 mit der Le Soleal von Ponant mit der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden!

Das diese Reise zu einem der eindrücklichsten Erlebnissen unser gesamten Reiseerfahrung werden würde ahnen wir natürlich noch nicht :-) !

Unseren Dicken dürfen wir während der Reise auf dem Parkplatz vom Reisebüro und dem dazu gehörigen Hotel stehen lassen.

Dann ist es so weit, am 04.02.2019 um ca. 16:00 Uhr schiffen wir ein:

Das wir diese schöne Aussicht haben ist der Tatsache geschuldet das das Gepäck von 30 Chinesen nicht mit ihnen angekommen ist und wir nun darauf warten müssen :-( . Eigentlich wären wir so gegen 19:00 Uhr abgefahren… - …Na das fängt ja gut an :-( !!!

Wettervorhersage für die Drake Passage, Sturm mit bis zu sechs Meter hohen Wellen!

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Die Balkonstühle werden zur Sicherheit hereingetragen und wir verbringen die meiste Zeit, mit Reistabletten und Reisepflaster hinter dem Ohr, möglichst ruhig im Bett aber immer zum Sprung bereit :-(  ;-) !

Der Kapitän gibt Gas um einen Teil der verlorenen Zeit wieder aufzuholen und so erreichen wir, trotz Umschiffung der schlimmsten Wetterauswirkungen, am 07.02.2019, nach 43 Stunden, gegen 7:00 Uhr die antarktische Halbinsel:

Am Nachmittag besuchen wir einen Höhepunkt der Reise, Paradise Bay:

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Es scheint so als ob sich die Crew für die Verspätung am Abfahrtstag entschuldigen und uns schon am ersten Tag in der Antarktis mit weiteren schönen Ausblicken auf dem Weg zum Lemaire Channel entschädigen möchte:

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Nach einer ruhigen Nacht erreichen wir am nächsten Morgen Port Lockroy auf Goudier Island:

Der morgendliche Alltag, die Zodiac Boote werden heruntergelassen und Eisberge werden verschoben ;-) ;-) ;-) .

Was für ein Glück, schon wieder ein schöner Tag :-) !

Nach dem Frühstück haben sich die Wolken fast verzogen :-) .

Heute wird es historisch. Wir besuchen eine ehemalige britische Forschungsstation, die seit 1996 als Museum geführt wird.

Sie wurde als eine der ersten britischen Stationen in 1944, während des Zweiten Weltkriegs, errichtet. Für den Aufbau wurden Soldaten von der Front hierhin geschafft. Angeblich wußten sie nicht wo sie hingebracht werden und waren sicher etwas erstaunt sich bei der Ankunft im ewigen Eis wiederzufinden :-) .

Insgesamt hatten die Briten 23 Stationen in der Antarktis von denen mittlerweile einige abgebrannt, abgebaut, an Ukraine, Uruguay und Chile übergeben und zehn von ihnen als historische Plätze eingestuft wurden! Nur zwei werden tatsächlich noch von Großbritannien genutzt, das ist zum einen die „Rothera Station“ an der antarktischen Halbinsel, die permanent besetzt ist und zum anderen die „Signy Station“ auf den South Orkney Islands die nur im Sommer besetzt ist.

„Port Lockroy“, dessen Name ursprünglich von einer französischen Antarktisexpedition, die den natürlichen Hafen entdeckt hatte, stammt war zu der aktiven Zeit, zwischen 1944 und 1962, ständig von vier bis neun Personen besetzt. Es wurde sich, unter anderem, mit der Ionosphäre und deren Einfluß auf Funkwellen (sehr wichtig für uns Amateurfunker ;-) ) und Wetterbedingungen befassten. Natürlich wurden auch geologische, topografische und botanische Studien durchgeführt.

Doch wie lebte und arbeitete man zu der damaligen Zeit an diesem eher menschenfeindlichen Ort?

Für den Bau der Gebäude mußte natürlich alles mit dem Boot angeliefert und die Felsen hoch getragen werden. So auch der Dieselgenerator und die jährlichen 50 Fässer Diesel. Geheizt wurde sowohl mit Kohle wie auch elektrisch. Gletschereis wurde zur Trinkwasserversorgung geschmolzen. Hier sind ein paar Bilder aus dem Museum zu dem Thema:

Ab 1995 wurde die Station restauriert und auf den Stand von 1950 gebracht:

Die Mitarbeiter Heute sind als Praktikanten nur ca. vier Monate auf der Station und beobachten ob sich das Nist- und Brutverhalten der  Eselspinguine durch menschliche Besucher verändert. Dazu wird das Verhalten der Pinguine der Kolonie an der Station mit dem einer anderen Kolonie in der näheren Umgebung verglichen.

Die jungen Pinguine sind zu dem Zeitpunkt unseres Besuches schon fast erwachsen und befinden sich in der schwierigen Zeit des Federwechsels. Das sind zwei bis drei Wochen in denen sich die Eltern schon wieder im Meer befinden und die „Kleinen“ nicht mehr gefüttert werden. Selbst können sie noch nicht auf Futtersuche gehen weil sie mit dem Flaum nicht tauchen können. Erst wenn die Federn komplett ausgetauscht sind können sie eigenständig auf Nahrungssuche gehen oder besser gesagt tauchen ;-) .


Da hier immer nur 100 Personen an Land gehen dürfen wechseln die Gruppen sich ab mit der Besichtigung der Station und wir damit vom Land in ein Zodiac :-)  :

Zurück an Bord werden die Gummistiefel abgewaschen und desinfiziert. Die Desinfektion geschieht noch einmal bevor wir wieder in das Zodiac steigen um Land zu betreten. Damit wird verhindert das eventuelle Keime von einem Ort zu einem anderen transportiert und damit Tierkrankheiten übertragen werden.

Vor dem ersten Landgang mussten wir auch alle gebrauchten Kleidungsstücke, Taschen und Rucksäcke gründlich absaugen um zu verhindern das irgendwelche Samen auf das Land getragen werden!

Bei der Rückkehr werden wir immer mit einem heißen Getränk oder einer Suppe empfangen. So lässt es sich leben ;-) :